Wenn der Pfälzerwald in warmen Rot-, Gold- und Brauntönen leuchtet, beginnt bei uns eine ganz besondere Jahreszeit: die Keschdezeit.
Zwischen Ende September und Anfang November fallen die glänzend braunen Früchte aus ihren stacheligen Hüllen. Dann zieht es viele Pfälzerinnen und Pfälzer hinaus in den Wald, um Keschde zu sammeln und daraus herzhafte oder süße Spezialitäten zuzubereiten.
Doch die Esskastanie ist weit mehr als eine herbstliche Leckerei. Sie erzählt eine lange Geschichte – vom einfachen Grundnahrungsmittel armer Familien bis zur vielseitigen Delikatesse.
Was sind eigentlich Keschde?
„Keschde“ ist der pfälzische Name für Esskastanien. Sie werden manchmal auch Maronen genannt und wachsen besonders gut im milden Klima der Pfalz.
Mit der gewöhnlichen Rosskastanie, die häufig in Parks und an Straßen steht, darf sie allerdings nicht verwechselt werden: Rosskastanien sind nicht zum Verzehr geeignet. Esskastanien erkennt ihr unter anderem an ihrer Hülle mit vielen feinen, dicht stehenden Stacheln.
Geschmacklich sind Keschde angenehm mild, leicht süßlich und nussig. Durch ihren hohen Stärkeanteil bekommen sie beim Kochen eine wunderbar cremige Konsistenz.
Eine Frucht mit langer Geschichte
Die Geschichte der Esskastanie in der Pfalz reicht weit zurück. Bereits die Römer brachten den wärmeliebenden Baum zusammen mit dem Wein über die Alpen. Das milde Klima am Haardtrand und in der Südpfalz bot ideale Bedingungen.
So wurde die Esskastanie mit der Zeit ein fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Bis heute prägen ausgedehnte Kastanienbestände den Pfälzerwald und die Landschaft entlang der Deutschen Weinstraße.
Auch rund um Hauenstein begegnet ihr den Keschde überall. Der Pfälzer Keschdeweg führt von Hauenstein bis nach Neustadt an der Weinstraße durch Kastanienwälder, Weinberge und typische Pfälzer Ortschaften.
Warum Keschde früher als „Brot der Armen“ galten
Was heute als besondere regionale Delikatesse geschätzt wird, war früher für viele Menschen ein wichtiges Grundnahrungsmittel.
Keschde konnten im Wald gesammelt werden, machten lange satt und ließen sich nach dem Trocknen gut lagern. Ihr hoher Stärkegehalt machte sie besonders wertvoll, wenn Getreide knapp oder für ärmere Familien zu teuer war.
Die getrockneten Früchte wurden geschält und zu Kastanienmehl gemahlen. Daraus bereitete man Brot, Brei, Suppen und einfache Fladen zu. Nicht ohne Grund wurde die Esskastanie lange als „Brot der Armen“ bezeichnet.
Für viele Familien war sie kein außergewöhnlicher Genuss, sondern half dabei, den Winter zu überstehen.
Vom einfachen Lebensmittel zur Pfälzer Delikatesse
Mit der Zeit verlor die Esskastanie ihre Bedeutung als tägliches Grundnahrungsmittel. Heute erlebt sie dafür eine kulinarische Renaissance.
Köchinnen, Köche und regionale Manufakturen entdecken den besonderen Geschmack der Keschde immer wieder neu. Aus der einstigen Notnahrung entstehen feine Suppen, Pestos, Brote, Nudeln, Kuchen, Pralinen, Liköre und außergewöhnliche Pfälzer Spezialitäten.
Dabei begeistert besonders die Verbindung aus milder Süße und nussigem Aroma. Keschde harmonieren mit kräftigen Gewürzen und herzhaften Zutaten ebenso gut wie mit Schokolade, Vanille, Honig oder winterlichen Desserts.
So vielseitig könnt ihr Keschde genießen
Frisch gesammelte Keschde könnt ihr einritzen und im Backofen rösten. Warm aus der Schale sind sie ein herrlich unkomplizierter Herbstgenuss.
Aber es gibt noch viele weitere Möglichkeiten:
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als cremige Keschdesupp
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zu Wildgerichten oder herbstlichem Gemüse
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als Füllung für Geflügel
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in Brot, Kuchen oder Desserts
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als Pesto zu Pasta, Gnocchi oder Baguette
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als besondere Zutat im Pfälzer Saumagen
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verarbeitet zu Likör oder einem milden Kastaniengeist
Unser Kastanienpesto schmeckt beispielsweise zu Pasta und Gnocchi, aber auch einfach auf knusprigem Baguette. Deftig wird es mit unserem Pfälzer Kastaniensaumagen, der den Pfälzer Klassiker mit der milden Süße der Kastanie verbindet.
Für einen genussvollen Abschluss sorgen der Pfälzer Kastaniengeist oder unser Keschdelikör – zwei echte Pfälzer Raritäten.
Unser Rezepttipp: Cremige Pfälzer Keschdesupp
Eine warme Keschdesupp gehört für uns einfach zum Herbst. Für vier Personen benötigt ihr:
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400 g vorgegarte und geschälte Keschde
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1 Zwiebel
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1 mehligkochende Kartoffel
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1 EL Butter
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750 ml Gemüsebrühe
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200 ml Sahne
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Salz, Pfeffer und Muskat
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Bio-Keschdeöl – Kastanie in Rapsöl zum Verfeinern
Zwiebel und Kartoffel würfeln und in der Butter glasig anschwitzen. Anschließend die Keschde und die Gemüsebrühe hinzugeben und alles etwa 20 Minuten köcheln lassen.
Danach die Suppe fein pürieren, die Sahne einrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Zum Servieren einige Tropfen unseres Bio-Keschdeöls über die Suppe geben. Das verleiht ihr ein besonders feines, nussiges Aroma.
Wer mag, garniert die Suppe zusätzlich mit gehackten, gerösteten Keschde. Dazu passt frisches Bauernbrot.
Keschdezeit ist Genusszeit
Die Keschde verbindet Landschaft, Geschichte und Genuss auf ganz besondere Weise. Sie erinnert uns daran, dass aus einfachen regionalen Zutaten etwas Wertvolles entstehen kann.
Was früher als Arme-Leute-Essen galt, ist heute eine vielseitige Delikatesse – und für uns ein echtes Stück Pfälzer Heimat.
Besucht uns im Hollerbusch in Hauenstein und entdeckt unsere Keschde-Kostbarkeiten. Wir freuen uns darauf, mit euch die genussvollste Seite des Pfälzer Herbstes zu feiern.

